Eine andere, aktuelle Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie ist die Schema-Therapie. Sie wurde im Hinblick auf schwer behandelbare Persönlichkeitsstörungen und andere komplexe Störungen aus der "kognitiven Therapie für Persönlichkeitsstörungen" entwickelt. Sie zählt zur dritten Welle der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Therapien. Es werden hierbei Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie, der Gestalttherapie und der psychoanalytischen Therapie in ein konsistentes Therapierational integriert.
Der Schema-Therapie liegt die Annahme zugrunde, dass in der Kindheit und im Verlauf des Lebens Schemata erworben werden, die weitgesteckte Muster aus Erinnerungen, Emotionen, Kognitionen und Körperempfindungen beinhalten und das Verhalten steuern. Diese können mit der eigenen Persönlichkeit unvereinbar sein, ihr entgegenstehen und hinderlich sein. Solche früh erworbenen hinderlichen Schemata werden maladaptiv genannt. Ein maladaptives Schema entsteht durch schädliche Kindheitserlebnisse, die auf der Verletzung menschlicher Grundbedürfnisse basieren. Schemata betreffen den Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie bewirken, dass der Mensch dem Schema entsprechende Bewältigungsstile und Bewältigungsreaktionen entwickelt. Im Menschen entsteht z.B. das Schema der eigenen "Unzulänglichkeit", wenn er als Kind das Gefühl hatte, er sei es nicht wert, geliebt zu werden.
Daraus entwickelt er als Erwachsener z.B. die Bewältigungsreaktion, sich vor Liebe zu fürchten, weil er es kaum glauben kann, dass man ihn schätzen kann (Bewältigungsreaktion entsprechend einer Form der "Flucht" im Rahmen der drei Bewältigungsstile "Kampf", "Erstarrung" oder "Flucht").
Der Behandlungsprozess innerhalb der Schema-Therapie lässt sich in zwei Phasen unterteilen: In einer ersten Phase der Einschätzung und Edukation werden die entsprechenden Schemata bzw. Modi identifiziert. In der zweiten Phase der Veränderung kombiniert der Therapeut je nach Bedürfnissen des Patienten flexibel kognitive, erlebensbasierte, verhaltensbezogene und interpersonelle Strategien. Der Patient erarbeitet in dieser Phase Wege, eine "innere Distanz" zu seinen eingefahrenen Verhaltensmustern herzustellen. Die "innere Distanz" soll ermöglichen, das eigene Verhaltensrepertoire wertfrei aus einem Abstand zu beobachten und zu analysieren.
Aus der Selbsterkenntnis heraus kann der Patient in der nächsten entsprechenden Situation bewusster handeln, für diese Situationen neue, von ihm erwünschte Handlungsmuster entwerfen und dadurch einen Rückfall in alte Verhaltensmuster verhindern.
Um eine Distanzierung zu den eigenen Gefühlen, zum Verstehen der alten sowie zum Erarbeiten der neuen Verhaltensmuster zu erreichen, wird die therapeutische Spaltung eingesetzt. Diese dient der Aufspaltung in verschiedene Aspekte der eigenen Persönlichkeit, die bildhaft vorstellbar sind (z.B. das Innere Kind in unterschiedlichen Modi wie verletztes, verärgertes, undiszipliniertes oder glückliches Kind). Innerhalb der Behandlung leitet er Therapeut Imaginationen an und übernimmt beispielsweise im imaginativen Rollenspiel einen Part der Eltern. Im Reparenting werden dem Patienten die elterlichen Qualitäten angeboten, die fehlten (z.B. elterliche Fürsorge, Stärkung des Vertrauens, Vermittlung von Stabilität, emotionale Zuwendung, Fördern der Unabhängigkeit). Dem Patienten wird dadurch ermöglicht, entsprechend dem Vorbild des Therapeuten den Schemamodus "gesunder Erwachsener" zu verinnerlichen. Mit dessen Hilfe soll der Patient zukünftig die Wirkung maladaptiver Schemata erkennen und gesunde Verhaltensweisen entwickeln können.